Maria-Elisa Schrade

Flugverkehr und Klimaschutz: Passt das zusammen?

Einen Tag nach der EU-Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens, beschließt die Internationale Luftfahrtorganisation ICAO den Treibhausgasausstoß ab 2021 zu deckeln. Die Umsetzung bleibt den einzelnen Ländern überlassen.

Nach jahrelangen Verhandlungen einigten sich die Mitglieder der UN-Sonderorganisation ICAO heute in Montreal auf ein Abkommen zur Verringerung des Treibstoffverbrauchs und CO2-Ausstoßes durch den zivilen Flugverkehr. Damit ist der Luftverkehr die erste Wirtschaftssparte, die sich freiwillig selbst Maßnahmen zum Klimaschutz auferlegt. Das Ergebnis ist ein lascher Kompromiss: Ab 2021 soll der CO2-Ausstoß eingefroren werden. Die Emissionen können allerdings trotzdem weiter steigen, solange sie durch den Kauf von „Verschmutzungslizenzen“ kompensiert werden. Die Vereinbarungen sind zunächst freiwillig, erst ab 2027 sind die Vorgaben für alle 191 Mitgliedstaaten verpflichtend. Immerhin haben schon 65 Staaten die verbindliche Teilnahme ab 2021 zugesagt, die mehr als 80 Prozent der weltweiten Verkehrsleistung ausmachen.

Bisher genießt die Luftfahrtbranche massive wirtschaftliche Vorteile: Sie ist von der Kerosin-, Öko- und Umsatzsteuer befreit und, genau wie die Schifffahrt, von den Klimavereinbarungen von Kyoto und Paris ausgenommen. Dabei ist die Luftfahrt noch vor der Schifffahrt die umweltschädlichste Fortbewegungsart, die existiert. 2,48 Prozent der weltweiten Treibhausgasemission stammten 2013 allein aus diesem Sektor, wie der diesjährige Klimaschutzreport des Bundesverbandes der Deutschen Luftfahrt einräumt. Was wenig klingt entspricht in etwa dem CO2-Ausstoß Deutschlands. Und die Branche wächst stetig: Bis 2050 wird ein Fünftel der weltweiten Emission durch Flugverkehr verursacht werden, schätzen Experten, die der Dachverband der Fluggesellschaften IATA für eine Analyse berufen hat.

Fast zwanzig Jahre lang blieben, seit dem Kyoto-Protokoll von 1997, die Versuche erfolglos, die Luft- und Schifffahrt in die UN-Klimavereinbarungen zu integrieren. Das nun beschlossene ICAO-Abkommen zur Regulierung des Treibstoffverbrauchs und der CO2-Emissionen ist daher ein wichtiges Signal für die Anfang November anstehende UN-Klimakonferenz in Marrakesch. Die Vereinbarungen, auf die sich die 191 Mitgliedstaaten von ICAO eingelassen haben, werden allerdings nicht ausreichen, um das Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Sechs Jahre verhandelte die ICAO, von ihrem ursprünglichen Ziel der CO2-neutralen Luftfahrt in den 2020er-Jahren blieb nach den Verhandlungen mit der mächtigen Luftfahrtlobby nicht viel übrig.

Wenigstens die Absicht, den Bau effizienterer Flugzeugmotoren für den Einsatz von Bio-Treibstoff zu fördern, leichtere Materialien beim Flugzeugbau zu benutzen und die Flugrouten zu optimieren, können als positive Schritte für den Klimaschutz bewertet werden. Doch die Branche wächst viel zu schnell, als dass die Industrie mit ihren Innovationen mithalten könnte. Die Nichtregierungsorganisation „Transport and Environment“ (T&E), die sich für nachhaltigen Verkehr einsetzt, zeigte sich nicht beeindruckt. „Die Behauptungen der Fluglinien, dass Fliegen nun nachhaltig sein wird, ist ein Mythos“, sagte Bill Hemmings von der T&E-Gruppe. „Zu fliegen ist der schnellste und billigste Weg den Planeten zu zerstören und dieses Abkommen wird die Nachfrage für Flugzeugtreibstoff nicht um einen Tropfen reduzieren.“ Auch aus dem EU-Parlament kam scharfe Kritik. Man sei über den vorliegenden Entwurf „tief enttäuscht“, hieß es da vom Umweltausschuss bereits im September. „Wir erwarten ein Abkommen, das die Emission sinken lässt und das wird nicht kommen“, sagte der CDU-Politiker Peter Liese. Leider hat er recht behalten.

Erschienen am 7. Oktober 2016 auf greenpeace-magazin.de